Was wäre... ?
Während der Pandemie gab es in unser aller Leben viele eher alltägliche Ereignisse, denen man keine große Bedeutung beigemessen hat.
Manchmal ist man jedoch nicht darauf vorbereitet, dass nach der zweijährigen COVID-Phase zusätzliche Herausforderungen in Bezug auf zwischenmenschliche Beziehungen auf einen zukommen.
Vielleicht hat man einen Plan für den Alltag. Vielleicht hat man einen Plan für den eigenen Beruf. Manchmal prallen diese beiden Welten aufeinander und hinterlassen einen Haufen Scherben, mit dem man definitiv weder gerechnet hat noch darauf vorbereitet war: Ein Haufen Scherben, der eine langjährige Freundschaft offensichtlich beschädigt und ihr einen fulminanten Schlag versetzt hat. Wenn man mit einer solchen Situation konfrontiert ist, tauchen Fragen auf – in jedem Moment der Stille oder Einsamkeit, vor dem Schlafengehen oder beim Aufwachen und – ganz allgemein – willkürlich über den Tag verteilt, da einen das Thema schlichtweg beschäftigt. Fragen wie…
… was wäre…
- wenn die gefühlte Freundschaft, abgesehen von der Zusammenarbeit im selben Unternehmen, nur eine Illusion war?
- wenn die Entscheidung für eine neue Position im gemeinsamen Unternehmen diese Freundschaft zerstört hat, obwohl beide Seiten sich einig waren, dass nichts das private Miteinander beeinträchtigen könnte?
- wenn die Erkenntnis, dass Menschen immer unberechenbar bleiben, egal wie lange man sie schon kennt, einfach brutal ist?
- wenn man glaubt, dass der Verzicht auf die neue Position das Rad der Zeit wieder zurückdrehen könnte, obwohl man weiß, dass es in dieser Beziehung einen Riss gibt, der so nicht mehr zu kitten ist?
- wenn ein Firmenwechsel ein Ausweg sein könnte, um etwas zu reparieren, das durch die Firma nun nachhaltig zerstört ist?
- wenn man erkennt, dass das einzige Band dieser Freundschaft die gemeinsame Frustration und die gemeinsamen Probleme im gemeinsamen Unternehmen waren?
- wenn man feststellt, dass man selbst mit über 40 einfach nur vor die Köpfe des anderen sehen kann?
- wenn man erkennt, dass andere Menschen einen selbst mit über 40 von einem Moment auf den anderen ignorieren und somit „ghosten“ können, was das gesamte Problem geradezu auf die Spitze treibt
- wenn die Tatsache, von einem Freund ignoriert zu werden, einer der schrecklichsten Erfahrungen selbst für einen Erwachsenen werden kann?
- wenn man annehmen muss, dass die Freundschaft gar nicht so gut war, nachdem man ohne ein Wort oder irgendeine Begründung aus dem Leben eines Menschen ausgeschlossen wurde?
sind derzeit Teil meines täglichen Denkens und ich würde mir wünschen, ich könnte diese Gedanken für sinnvollere und produktivere Dinge nutzen.
Es gibt viele Gedanken dieser Art – zu viele, und ich weiß immer noch nicht, was von einem Tag auf den anderen passiert ist und der Trigger für ein entsprechendes Verhalten war. Andererseits: Angesichts meines eigenen Stolzes, der mich daran hindert, mich ohne einen mir bekannten Grund so behandeln zu lassen, werde ich den Wunsch dieser Person respektieren, endlich zu dem sprichwörtlichen Geist zu werden, zu dem sie mich offenbar bewusst gemacht hat. Wenn das der Wunsch ist, das Private wie auch das Berufliche final zu trennen, so ist auch eine Leidensfähigkeit durchaus begrenzt!
Jetzt scheinen sechs Jahre irgendwie verloren zu sein, und während die andere Seite sich so ausschweigt, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich zu fragen, was ich falsch gemacht habe, jegliche Aktivität einzustellen und das Unvermeidliche einfach hinzunehmen. DU hast deine Entscheidung als Erwachsener getroffen und wirst DEINE Gründe dafür haben – und ich hoffe, DU kannst damit leben, vielleicht in dem Wissen, was DU nachhaltig damit vielleicht kaputt gemacht hast!
„When the world turns you away
A friend will not say no
There is strength that we all have
It’s not the strength we show“
(MANOWAR, „Blood Brothers“)
Manche Dinge sind offensichtlich nachhaltig beschädigt und es ist fraglich, ob sie jemals wieder repariert werden können. Es ist lächerlich, eine Aussage wie „Never f*ck the company“ im Sinne einer Liebesbeziehung zu verstehen und dies auf eine Männerfreundschaft zu übertragen, die einst Skandinavien und viele Aspekte des Geschäftslebens erobert und beiden Parteien (zumindest temporären) Erfolg gebracht hat. Aber so ist es nun einmal – oder warum beschließt die eine Seite plötzlich, die andere aus ihrem Leben auszuschließen?
Tatsächlich war sogar das Jahr 2022 noch schlimmer als die beiden Jahre zuvor (was in Bezug auf COVID schon etwas heißen mag) und angesichts dieser Situation gleicht das bevorstehende Jahresende einem Eimer voller Mist, der in das eigene Privat- und Berufsleben hinein implodiert. Aber so ist das eben, there's always a challenge ahead!
“The truth is, everyone is going to hurt you. You just got to find the ones worth suffering for.“
(BOB MARLEY, ein nachweislich weiser Mensch)
Es gibt immer etwas zu lernen – und diese Lektion ist und war schmerzhaft. Und sie ist es immer noch, auch nach Jahren der Retrospektive. Und doch war ich nicht bereit für diese Erfahrung, die mit dieser ungewollten und ungeplanten Lektion einhergeht. Ebensowenig wie die Erkenntnis, dass selbst enge Freundschaften zerbrechlich sind – auch wenn ich es nie gewagt hätte, sie unter einem solchen Label einzustufen. Tatsache ist: Man ist nie zu alt für eine neue Lektion, und der „Zero Trust“-Ansatz der modernen Sicherheit kann auch ein großartiger Ansatz sein, wenn es darum geht, Knoten im Geschäftsleben – und im Privatleben – zu knüpfen - selbst mit Ü40!
Dieser Artikel erschien ursprünglich auf einem meiner Vorgängerblogs am 10. Dezember 2022.