Die Vorzüge eines gut funktionierenden öffentlichen Nahverkehrs
Um die Art und Weise unserer Mobilität nachhaltig zu verändern, brauchen wir ein gut funktionierendes öffentliches Verkehrsnetz. Hier in Deutschland fällt es teilweise schwer, auf das Auto zu verzichten, aber in einer Metropole wie London wäre das für mich ganz einfach!
Wenn es um Orte geht, an denen ich mich wohl fühle, habe ich irgendwie eine gespaltene Persönlichkeit. Ich kann sowohl in völliger Einsamkeit als auch in einer überfüllten Großstadt leben und genieße beides gleichermassen. In beiden Varianten nehme ich die Vor- und Nachteile der Situation voll und ganz an, doch wenn es um den Wechsel weg vom Auto hin zu einer moderneren Form der eigenen Mobilität geht, ist ein guter öffentlicher Nahverkehr schlichtweg unverzichtbar.
Großstädte sind nicht jedermanns Sache. Entweder man liebt sie oder man hasst sie, aber ich persönlich schätze sie seit jeher und könnte mir auch vorstellen, in der ein oder anderen zu leben. Als ich letzten September zum vierten Mal in London war, wurde mir mal wieder klar, dass ich, obwohl ich zu Hause immer hin schon ein Elektroauto fahre, in einer Stadt wie London überwiegend auf ein eigenes KFZ verzichten könnte. Ja, das Leben in einer so großen Stadt hat Vor- und Nachteile, aber sofern ich keine großen oder sperrigen Gegenstände transportieren müsste, würde ich für meinen täglichen Weg zur Arbeit einfach die hier sehr gut funktionierenden öffentliche Verkehrsmittel nutzen und wäre „fein damit“.

Die Einwohner Londons kritisieren oft die Betreibergesellschaft TfL (Transport for London) – eben die staatliche Behörde, die für die U-Bahn, die Busse und die öffentlichen Bahnen zuständig ist. Ich persönlich kann das anhand meiner (überschaubaren) Verweildauer nicht nachvollziehen, was vielleicht daran liegt, dass ich die Stadt immer nur kurz mit der Touristenbrille besucht habe. Aber egal, wohin man hier möchte: Es gibt fast keine Wartezeiten, zahlreiche Möglichkeiten, sein Ziel zu erreichen, und reibungslose Umstiege zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln. Tube? Bus? Schiene? Völlig egal!
Anfangs waren wir uns auch diesmal nicht sicher, ob wir unser Hotel im Londoner East End vom London City Airport aus sinnvoll erreichen konnten. Aber: Kein Problem – nur eine Zugfahrt und, je nach Uhrzeit, ein oder zwei Umstiege in die U-Bahn direkt bis zur Station Bethnal Green und nach 30 Minuten waren wir da und das völlig stressfrei. Immer dabei: Unsere Prepaid-Oyster-Karten, die wir beim Betreten und Verlassen einer Station an das Lesegerät gehalten haben, worauf dann beim “Auschecken” der Fahrtpreis abgebucht wurde. It’s as simple as that!
Neben dem effizienten öffentlichen Nahverkehr war es auch mal wieder toll zu sehen, dass diese Metropole ein Schmelztiegel der Kulturen ist – etwas, das auch nicht überall funktioniert. Zu keinem Zeitpunkt haben wir uns unwohl oder unsicher gefühlt und es war auch ein Erlebnis zu sehen, wie Menschen jeden Alters und jeder Herkunft einfach aufstanden, um älteren Menschen oder Schwangeren ihren Platz anzubieten – etwas, das nicht allzu häufig vorkommt und in Deutschland oftmals schlichtweg Seltenheitswert hat.
Die positiv erschreckende Erkenntnis für mich: Der öffentliche Nahverkehr in London funktioniert einfach! Das Niveau der Verkehrsinfrastruktur ist natürlich historisch gewachsen und weit weg von der autofreien Innenstadt, aber bei diesem Verkehrsnetz wäre das auch in Deutschland meine bevorzugte Art, zur Arbeit oder anderswohin zu gelangen. Kein Stress, keine Staus – einfach nur der Beginn und das Ende einer Fahrt, die Zeit dazwischen irgendwie sinnvoll genutzt.
Schiele ich dann mal wieder zurück nach Hause ins den ländlichen Westen, so hielt dann wieder ziemlich schnell die Steinzeit wieder Einzug: Busse und Züge fahren (wenn sie es tun) vielleicht alle 60 Minuten und das Verkehrsnetz ist abseits des Autos bestenfalls „ausbaufähig“. Hier haben wir noch einiges an Arbeit vor uns und müssen die Vorzüge eines gut funktionierenden öffentlichen Nahverkehrs erst einmal bei den Menschen ankommen lassen!
Und - in London und auch überall wichtig, hier in Sachen Ansage aber historisch - „please mind the gap between the train and the platform!“
Dieser Artikel erschien ursprünglich auf einem meiner Vorgängerblogs am 22. September 2025.